„Weisst Du, wer ich bin?“ 3.12.

Update: herzlichen Dank an Mascha Lyamets und Olaf Glöckner für die Abdruckgenehmigung ihres Berichts aus der Gemeindezeitung der jüdischen Gemeinde Chemnitz. Und danke für die Fotos.

So werden Brücken gebaut…
Erstes Treffen mit iranischen Christen in der Galerie „art-ECK“

Chemnitz ist spürbar bunter und lebendiger geworden, woran Zuwanderer aus unterschiedlichsten Kulturen einen großen Anteil haben. Und es gibt Vereine und Projekte, die dafür sorgen, dass sich Kulturen und Religionen kennenlernen, gegenseitige Vorurteile abbauen und am Ende vielleicht sogar Freundschaften entstehen. Zu den hierbei aktivsten Vereinen in unserer Stadt gehört „Brückenbauer e.V.“, eine christliche Organisation, die sich um Flüchtlinge aus verschiedensten Regionen der Welt kümmert. Anfang Dezember 2016 organisierte unsere Gemeinde zusammen mit den „Brückenbauern“ eine erste gemeinsame Veranstaltung im Rahmen des bundesweiten Programmes „Weißt Du, wer ich bin?“ –  „Kinder eines Vaters – interreligiöse Begegnung“ war der Abend am 3. Dezember in der Galerie „art-ECK“, beim Künstlerverein „Beseder“ in der Moritzstraße, überschrieben. Diesmal oblag es der Jüdischen Gemeinde, für die gekommenen Einheimischen und Flüchtlinge eine lebendige Einführung in die jüdische Tradition und Religion zu geben. Moderiert wurde der Abend von Mascha Lyamets im Verein mit Katharina Weyandt von „Brückenbauer e.V.“ Für die musikalische Begegnung mit dem Judentum sorgte der Chor unserer Gemeinde, souverän dirigiert von Taya Leyenson. Schabbatlieder wie „Lecha Dodi“ und „Adon Olam“ begeisterten die Gäste ebenso wie „Jedid Nefesch“ und „Osse Schalom“. Ein leckeres koscheres Buffet hatten Shenja Nalotova und Alona Zarubina vorbereitet. Freundlicherweise hatte sich auch unser Rabbiner Jakov Pertsovsky dazu bereiterklärt, an diesem Abend eine leicht verständliche und trotzdem sehr präzise Einführung in die Bedeutung des Schabbats sowie in dessen liturgische und rituelle Besonderheiten zu geben. Rav Pertsovsky sprach auch den Weinsegen, schnitt und verteilte Challa.

sam_0204Erstaunlicherweise waren die bereitgestellten Sitzplätze im „art- ECK“ schon frühzeitig allesamt belegt, jüngere Menschen verfolgten die Veranstaltung teilweise sogar im Stehen. Unter den Gästen waren viele junge Familien aus dem Iran und aus Afghanistan, viele von ihnen praktizierende Christen. Auch eine Reihe Chemnitzer Christen waren gekommen, die sich offenbar ebenfalls sehr für das Thema des Abends interessierten. Alle Vorträge und Statements, darunter auch eine Kurzdarstellung der russisch-jüdischen Zuwanderung und der jüdischen Strukturen im heutigen Deutschland durch Dr. Olaf Glöckner (Moses Mendelssohn Zentrum), wurden vom Deutschen ins Farsi übersetzt – denn die allermeisten Gäste waren erst vor kurzem aus dem Iran in die Bundesrepublik gekommen.

sam_0145Beim koscheren Buffet am Ende der Veranstaltung ergaben sich angeregte Gespräche, und insbesondere Rav Pertsovsky wurde von wissbegierigen Gästen geradezu umringt. Boris Ostrovsky und Ilja Kogan von „Beseder e.V.“ gaben ihrerseits bereitwillig Auskunft zur Geschichte der Galerie „art-ECK“ und zu aktuellen Projekten der hier arbeitenden Künstler.

sam_0199Niemand wollte am Ende glauben, wie schnell dieser Abend doch zu Ende gegangen war. Rasch wurde die Idee diskutiert, im Jahr 2017 weitere gemeinsame Veranstaltungen von „Brückenbauer e.V.“ und Jüdischer Gemeinde auf die Beine zu stellen. Viele Teilnehmer äußerten den Wunsch, bei der nächsten Zusammenkunft dann mehr über die Lebensgeschichten und das heutige Leben der iranischen Christen in Chemnitz zu erfahren. M.L./O.G.

——

Einladung: Begegnung mit der Jüdischen Gemeinde Chemnitz – übersetzt auf Dari / Farsi

Samstag, 3. Dezember 2016, 17.30 -20.00 Uhr
Galerie ArtEck, Moritzstraße 39, 09111 Chemnitz (hinter dem Moritzhof an der Ecke Annaberger Straße)

Flüchtlinge aus Ländern des muslimischen Kulturkreises kennen das Judentum in der Regel nur im Kontext der Israel-Feindschaft ihrer Länder. Um ein anderes Verständnis zu gewinnen, brauchen sie Informationen über den jüdischen Glauben und jüdisches Leben hier.

Programm:

  • Vortrag des Rabbiners über Grundpfeiler der jüdischen Tradition,
  • Chor der jüdischen Gemeinde singt Gebete und andere Lieder
  • Kurzinfo über jüdische Zuwanderung nach Deutschland
  • Vorstellung des Künstlervereins “Beseder” von Gemeindemitgliedern, welche die Galerie betreiben
  • Buffet

Der Abend ist dank der Förderung durch das Projekt „Weisst Du, wer ich bin?“ kostenlos.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s