Wir waren in Buchenwald und Weimar

Über fünfzig meist junge Flüchtlinge aus dem Iran, Afghanistan und Syrien und meist ältere Mitglieder der jüdischen Gemeinde Chemnitz haben am 27. Juli eine lange vorbereitete Tagesfahrt in die KZ-Gedenkstätte Buchenwald und die Klassikstadt Weimar gemacht. Die Teilnehmer hatten nicht nur sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden, sondern auch die Kluft zwischen den Generationen. Ein besonderer Dank gilt gerade den Älteren, die sich darauf eingelassen haben.  Auch die meisten Gemeindemitglieder, die selbst aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, waren aus verständlichen Gründen noch nie in Buchenwald gewesen. Doch das Interesse bei allen war so groß, dass eine Warteliste für eine weitere Fahrt gebildet werden musste.

Die Informationen wurden intensiv aufgenommen, die Zahl der 6 Millionen ermordeter Juden beeindruckte die Flüchtlinge. Nach Hitler wurde gefragt, ob er dort in Buchenwald war und warum er das Böse verursacht hatte. Und warum die anderen europäischen Staaten es nicht verhindert hätten, fragte ein Afghane. Das Foto eines Häftlings am Galgen kommentierten afghanische Schülerinnen, dass das wie in ihrer Heimat sei. Sie erkundigten sich bei Maria Lyamets von der jüdischen Gemeinde, ob sie vielleicht mit Holocaust-Überlebenden sprechen könnten. Eine Schweigeminute, jüdische und christliche Gebeten und der Hinweis auf den Pastor Paul Schneider, den „Prediger von Buchenwald“, schloss den Besuch ab.

Die Reise wurde gefördert vom Bundesministerium des Inneren aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Zuständig ist das Programm „Weisstduwerichbin“, über das wir schon 2016 eine erste Begegnung zwischen Flüchtlingen und der Jüdischen Gemeinde ausgestaltet hatten.

Fotos: Maria Lyamets, Olaf Glöckner


 

 

 

 

 

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Hier die Einladung:

In der Nazi-Zeit 1933-1945 wurden Juden und viele andere, die das Deutsche Reich verfolgte, in Konzentrationslager gesperrt. Die meisten sind dort ermordet worden. Heute sind manche Orte der Erinnerung, ähnlich wie Museen. Am nächsten an Chemnitz gelegen ist Buchenwald in Thüringen. Es liegt nah der Stadt Weimar. Die ist durch den Dichter Johann Wolfgang von Goethe berühmt.

Wir laden gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Chemnitz ein zu einer Tagesreise nach Buchenwald und Weimar am Donnerstag, 27. Juli, 9 bis 20 Uhr. Hier erleben wir Schatten und Licht in der deutschen Geschichte. Wir fahren mit einem Bus. Die Fahrt ist gratis, nur Essen soll jeder mitbringen. Alle Informationen werden auf farsi und arabisch übersetzt.

In Vorbereitung der Reise veranstalten wir am Donnerstag, 20. Juli 2017, 18 Uhr, in der Jüdischen Gemeinde, Stollberger Straße 28, einen Informationsabend mit Vortrag. Es referiert Dr. Olaf Glöckner (Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam) zum Thema „Juden in Deutschland, die Katastrophe 1933-1945 und der Neubeginn.“ Zugleich werden Informationen über die Kulturstadt Weimar und Details für die Tagesreise bekanntgegeben.Wer mitfahren möchte, soll zu dem Vorbereitungsabend kommen.

Einen ersten Schritt zur Begegnung zwischen Flüchtlingen und jüdischer Gemeinde gingen wir Anfang Dezember. Die Reise ist ein zweiter Schritt. Weitere sollen folgen. Das Programm „Weisst du, wer ich bin?“ ermöglicht es finanziell. Das sind unsere Ziele, die wir in dne gemeinsamen Antrag geschreiben haben:

  • Basis-Informationen über die deutsche Geschichte mit Juden und fremden Kulturen, welche die Teilnehmer sonst nicht so schnell erhalten würden, angesichts des Asyl- und Integrationsprozesses, in dem sie sich befinden, wo so viele andere Inhalte an sie herangetragen werden. (Dass der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, im April 2017 vorschlug, KZ-Gedenkstätten mit Flüchtlingen zu besuchen, hat uns in der schon länger bestehenden Idee bestärkt.)
  • Lernen in einem Klima der Begegnung, des persönlichen Austauschs, der Ermutigung zu persönlicher Stellungnahme, handlungsorientiert – Abbau von bzw. Vorbeugung gegen Vorurteile
  • Erleben der jüdischen Gemeinde, der christlichen Brückenbauer und der muslimischen Teilnehmer gemeinsam auf dem Weg des tolerantem Zusammenlebens
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