Bilder, Musik, Kulinarien – und jede Menge miteinander

Meine Partnerin ist Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz, engagiert sich seit Jahren in den gemeinsamen interreligiösen Projekten von „Weißt Du wer ich bin?“ und ist davon bis heute begeistert. Obwohl ich die Woche über in einem Potsdamer Institut arbeite und meist mit ganz anderen Themen beschäftigt bin, haben mich die gemeinsamen Unternehmungen – wenn ich dann doch irgendwie die Teilnahme geschafft habe – von Jüdischer Gemeinde Chemnitz und Brückenbauer e.V. immer sehr beeindruckt.

Es ist ja nicht einfach, Menschen zusammenzubringen, die sich häufig schon an Kleidung und Mode stark unterscheiden, die vollkommen unterschiedliche Sprache sprechen und die logischerweise auch Berührungsängste voreinander müssten. „Normalerweise“. Nicht aber in den Chemnitzer Projekten dieser beiden Gemeinden bzw. Vereine.

Von Anfang an sind sie aufeinander zu gegangen, haben sich Themen und Exkursionsorte – wie die Stadt Weimar (und die benachbarte Gedenkstätte Buchenwald) – ausgesucht, von denen sie alle viel lernen wollten. Sie habe sich gegenseitig Fragen gestellt, vor denen andere vollkommen zurückschrecken würden. Katharina auf der „Brückenbauer“-Seite, und Mascha auf der Seite der Jüdischen Gemeinde waren sich einig, dass Unterschiede auch Vielfalt – und eigentlich sogar Reichtum – bedeuten können. Sie hatten vollkommen recht damit.

Ich war bei zwei Exkursionen nach Weimar und noch einigen Abendveranstaltungen dabei, habe mich mit Syrern, Drusen, Afghanen unterhalten, mit Muslimen, Christen und Juden, und immer war die Zeit viel zu schnell verstrichen.

So wie die Laufzeit dieser gemeinsamen Projekte von „Weißt Du wer ich bin“. Das ist schade, aber die gemeinsame Abschlussveranstaltung am 17. November, „Unsere persische Kultur – Bilder, Essen, Musik“, die vor allem Flüchtlinge und Freunde aus dem Verein „Brückenbauer Chemnitz e. V.“ in der Chemnitzer Jugendkirche gestalteten, war ein nochmaliges Highlight. Nicht nur, dass die angebotenen Speisen – diesmal aus iranischer Küche – eine echte Freude für den Gaumen waren.

Diesmal waren vor allem die „alteingesessenen“ Chemnitzer die Lernenden. Die Bilder, Texte und Lieder, die die iranischen Freunde vorstellten, haben einen starken Eindruck vermittelt, was für ein schönes Land sie verlassen haben, unter Druck und Verfolgung. Das muss sehr weh getan haben, und tut es sicherlich noch immer – erst recht, wenn immer wieder Nachrichten von Menschenrechtsverletzungen im Iran eintreffen, auch und genau an diesem Tag.

Ich habe gestaunt, wie verfolgte Menschen von so weither sich doch so freundlich und aufgeschlossen zeigen und – ja – auch klarmachen können, dass sie dieses Sachsen, dieses Chemnitz eigentlich sehr schön finden, es noch viel mehr kennenlernen wollen als bisher. Dafür müssen sich natürlich auch einheimische Türen öffnen, und solche von anderen Gekommenen.

Die Jüdische Gemeinde war am 17. November deutlich in der „Unterzahl“, aber hat sich keineswegs versteckt. Eine der jüdischen Familien hat dann spontan zu sich nach Hause eingeladen, und der für mich beste Satz dieses lebendigen Nachmittages: „Wir haben so viel Gemeinsames, finden uns so sympathisch, dass wir einfach zusammenhalten müssen.“

Nun ist das Bundesprogramm „Weißt Du wer ich bin?“ ausgelaufen, vielleicht kommt ja ein ähnliches hinterher. Aber die gemeinsamen Chemnitzer Projekte – genau in diesem Rahmen während der letzten Jahre – haben etwas Wunderbares geschafft: Die Angst voreinander ist gewichen.

Danke an Olaf Glöckner für diesen bewegenden Text!